3. Jahresabschlussfahrt

BMW - Motorradabschlussfahrt vom 13.09.-16.09.2012 ins Sauerland

Ich stelle unsere Mitfahrer der Tour vor, wer hat gut aufgepasst, und wer erkennt sich? Ein Mitfahrer hat den Tiger im Tank. Ein anderer fährt einen 22 Jahre alten Schluckspecht mit seiner „Alten“ spazieren. Biene Maja ist in diesem Falle männlich, ihre Partnerin eine weibliche selbstbrummende Motobiene. Ein weiterer fährt halb Europa als Aufkleber auf den Packtaschen durch die Gegend. Der älteste Teilnehmer führt die lauteste Rohrdommel im Pulk. Der 1. Roadrunner wird von seiner selbstständigen Roadrunnerin verfolgt. Eine Blaubeerin lässt sich von Käpt´n Blaubär musikalisch auf dem Bike unterhalten. Der 2. GS-Fahrer will seine Maschine meistbietend an den Mann bringen. Ein wahrer Kapitän a.D. segelt gerne achtern an. Ganz klar, dass das Motorrad des Oberschraubers astrein in Schuss ist. Ein Solofahrer protzt wie eine Lady mit Topcase und zwei Seitentaschen.

Donnerstag, den13.09.2012 : Wir fuhren also erst einmal bis Walsrode auf der Autobahn. „ Ich habe fertig“, sagte ein Fußballtrainer, ich sage:“Haste, Himmelreich“, führt dein Weg nach Hameln. Durch Birkenalleen fuhren wir durch die Kornkammer, deren Ernte bereits eingeholt war. Mannshohe Maisfelder reihten sich aneinander. Die Kartoffeln müssen noch vom Acker. Etliche Raubvögel zogen ihre Kreise, Mäuse waren wahrscheinlich reichlich vorhanden. Der „Grill Schauinsland“ in „Extertal“ trägt zu Recht diesen Namen. Ab jetzt wurde es hügelig und somit öffnete sich die Landschaft unserem Blick. Bis zum Ziel „Mühlhausen“ wehte uns der Herbstwind um die Helme. Zufrieden stiegen wir dort bei Wirtin Marlies in der „Landpension Goebel“ im Innenhof von den Rädern. Ein Empfangsbier schmeckte uns, froh plauderten wir durcheinander, bevor die Bleibe in Beschlag genommen wurde. Ein unter Denkmalschutz 110 Jahre altes Gebäude war ein Teil der Bleibe. In der ehemaligen Tenne stand der lange Tisch mit seinen schweren Stühlen. Hier wurde gefrühstückt und abends warm gegessen. Danach bis zur späten Stunde zusammengesessen und nicht nur „Waldecker Kräuterlikör“ und die „Feldhühnchen“ genossen, das süffige gelbe Nass floss die durstigen Kehlen hinunter. Man soll ja viel trinken, das haben wir beherzigt. Wir waren von altem Bauerngeschirr umzingelt. Gemeinsam konnten wir klären, für welche Zwecke es einst benutzt wurde. An den Wänden hingen alte bestickte Paradehandtücher, Deckchen bunt und blaufarbig ausgestickt. Einige faszinierende Sprüche lauteten so:

 

- Eine kluge Hausfrau kocht mit Fleiß des Ehegatten Lieblingsspeis.

- Geblüht im Sommerwinde, liegt still jetzt im Spinde. (es ist vielleicht Leinen gemeint)

- Wo Liebe, da Friede usw .

In den Zimmern setzte sich die Ausstattung fort.

Freitag, den 14.09.2012 : Bunt sind bald die Wälder, gelb die Stoppelfelder, und der Herbst beginnt, welke Blätter fallen, kühler weht der Wind. Eine unsagbare Stille herrschte hier in Mühlhausen. Ein schwebender Nebel löste sich langsam auf. Erst kam bei uns Frauen die Gymnastik an die Reihe, dann das wundervolle Frühstück. Und ab ging es auf die heißersehnte Tagestour. Wir saßen in den Startlöchern. Wir dürfen nicht meckern, wenn wir die Patchworkstrasse durchfahren, denn da hatten wir absolut nichts zu suchen. Gleich, als wir um die Ecke bogen, öffnete sich das “Schauinsland“. Auf unserer Strecke lag das schönste gekürte Dorf des Berglandes. Ein gepflegter Fachwerkbau stand neben dem anderen. Die Zwischenräume waren weiß getüncht, und die Krönung bildeten die edlen grauen Schieferdächer. Wichtige Industrie zeigte sich im Umfeld. Kunststoffverarbeitende Betriebe, Holzverarbeitung, Ziegelbrand, Glasverarbeitung, Tierzucht, Tiermast usw. Außerdem der nicht zu verachtende Faktor Tourismus. Auf dem 841 Meter hohen „Kahlen Asten“ wehte uns von Westen ein kühler starker Wind um die Ohren. Hier stand die Wetterstation genau richtig. Die Bikerherzen müssten hier bei den zahlreichen Rechts- und Linkskurven vor Freude ausrasten. Der bekannte „Bikertreff Zündstoff“ wurde an der Edertalsperre für die Stärkung aufgesucht. Wolken jagte der Wind hoch über uns her. Wenn es nicht regnet, ist uns das schnurz und so egal. Manches Mal steckten wir kurzfristig im Verkehr, aber die meiste Zeit sausten wir allein durch die Lande. Hübsch diszipliniert, wie es sich gehört, bildeten wir eine schöne Motorradschlange. Unser nächstes Ziel führte uns zu der 74 Meter hohen „Herkules-Statue“ bei Kassel. Die in keinem Nachschlagewerk zu finden ist. Von ihr schaut man auf die Stadt und ins Umland. Der Tuffstein, der einstmals durch eine pyroplastische Wolke und dem Druck auf die Sedimente entstanden ist, ist der Umweltverschmutzung auf die Dauer nicht gewachsen. Dem Zerfall rückte man jetzt auf den Leib. Den Blick fesselte die sogenannte Löwenburg-Ruine. Die 1793-1796 von Kurfürst Wilhelm I errichtet worden ist. Auf dem Weg nach Mühlhausen, wurde Weiß- und Rotkohl geerntet. Bauern nutzten emsig das gute Wetter für die Vorbereitung des Ackers für die Wintersaat. Ich hoffe, dass die Motorradfahrer nicht so angespannt fahren müssen und „einiges“ um sich herum wenigstens flüchtig wahrnehmen können. Wir genossen das kühle Bier bei der Ankunft und freuten uns auf Kartoffelsalat, Krautsalat, Grillwurst und Fleisch. Wir begossen Rolfs Spendenschnaps, den er auf die Enduro spendierte, die den Tacho auf 111.000 km hat springen lassen. Wir genossen alle gespendeten Runden der genannten triftigen und der weniger triftigen Gründe und stießen an und stießen an und stießen an. …

Sonnabend, den 15.09.2012 : Michael will seinem 82-jährigen Vater zum Geburtstag gratulieren und verließ uns. Sylke ließ sich in einer Korbacher Reifen-Werkstatt einen Nagel aus dem Reifen ziehen, der sich als Stein entpuppte, das war dreimal besser. Unsere Gymnastik stand im Vordergrund, dann kam das Frühstück hinterher. Dieser Tag versprach noch schöner zu werden. Nicht für jeden, denn Robert entdeckte bei der Pinkel-Pause nur noch den Stift seiner wirklich teuren Uhr. Und das musste erst einmal verdaut werden. Die Straßen sind wahrhafte Mördergruben für etliche Tiere. Im Laufe der Tage sahen wir plattgefahrene Salamander, einen Waschbär, einen Fuchs, einen Marder oder war es eine Katze? Etliche Vögel und etliche Igel. Heute wechselte die Landschaft zwischen Berg und Tal mit 7 und 8 % Gefälle. Heidewitzka war das ein Rodeln, mehr Spaß kann ein Motorradfahrer wirklich nicht erleben. Die Mittagsrast hielten wir im „Bikers-In“ an der „Möhnetalsperre“. Auf dem Ostenfeld, das wir erkrakselten fuhren wir durch saftig grüne Almwiesen. Als ein Segelflieger über uns schwebte, glaubte ich auf der Rhön zu sein. Der Kellersee-Nationalpark glänzte mit vielen Gesichtern. Klar gab es eine unentbehrliche Kaffeepause in „Bruchhausen“ bei der „Gutsschänke“. Im kleinen Kunstladen erwarb man nette Mitbringsel für die Lieben daheim. Karl-Heinz spendierte einen Kasten Bier nur so, n e i n, für die gelungene Ausfahrt. Langsam spürten wir alle unseren Achtersen, Sylkes rechter Daumen machte auch auf schwer beleidigt. Uns schmeckte der Hackbraten, das Gemüse. Carolas Führung durch den Kräutergarten mussten wir leider verfrüht beenden. Schade. Wir genossen den Abend, wir erzählten, wir stießen an, ihr wisst schon womit. „Wir beendeten den Abend immer in der Lautstärke von 100 Personen“, meint Moni, wenn sie Recht hat, hat sie Recht.

Sonntag, den 15.09.2012 : 7:OO Uhr. Die Taschen lassen sich bei gleicher Menge nicht mehr so leicht schließen. Komisch es ist immer das gleiche. Mal sehen, ob die Trinkstrichliste gut von uns allen geführt wurde. Die Wirtin konnte es bestätigen. Erst Gymnastik wie immer, danach das Frühstück einnehmen. Birgit und Dirk verlassen uns, weil sich daheim Gäste angesagt haben. Es folgt eine herzliche Verabschiedung .Stallmief wehte uns beim Fahren entgegen. Windräder drehten sich allerorts. Auch völlig abgedeckte Solardächer gab es viel zu sehen. Wir packten die Heimfahrt an. Es war heute bei dem Kaiserwetter sowieso der Tag der Motorradfahrer. Man brauchte sie nicht zählen. Nun bekommen Karl-Heinz, Peter und Onkel Herbert Heimweh. Nach der Mittagspause beim „Cafe am Deich“ in „Hodenhagen“ zog es sie auf die Autobahn. Der Rest der Truppe ging erst vor Hamburg auf die A7. Die Aussage, dass die Ausfahrt 2011 nicht zu toppen ist, musste hiermit revidiert werden. Detlev´s gekonnte Führung durch das Berg- und Hessenland übertraf alle Erwartungen. Eine Tour von ca. 1.252 Km so astrein über die Bühne zu bringen mit so einem Rattenschwanz, ist mehr als lobenswehrt. Wir nehmen alle den Hut vor dir ab und sagen ein großes DANKESCHÖN !!

Dankeschön für so viel Fahrspaß, Dankeschön für die gelungene Zeit. Wir danken aber auch für den Spaß mit allen Teilnehmern, für die Lästertiraden, die so manchen Lacher hervorriefen. Wir danken für das harmonische Miteinander ! Auch ein Danke an unseren Schutzengel. Wir wollen unseren beiden Motorradfahrenden Frauen ein großartiges Lob für ihre erbrachte Leistung aussprechen.

Text: Gisela und Rolf