Fahrt ins Gelbe

Wenn im Mai die Rapsblüte den schmalen Landstrich zwischen Nord- und Ostsee in ein leuchtendes Blütenmeer verwandelt, dann hat für uns Flachlandtiroler die schon heiss ersehnte fünfte Jahreszeit begonnen. Für nur wenige Wochen lassen sich dann in der Landschaft Farbkontraste aus goldgelben Feldern und saftig grünen Wiesen entdecken, die vielerorts einfach genial sind. Mit dieser Farbenvielfalt zeigt sich denn auch die Natur von einer besonders schönen Seite; vielleicht sogar von ihrer Schönsten überhaupt. Wie könnte man also die landschaftlichen Reize besser und näher erleben als bei einer Motorradtour ? Dies ist denn auch für die BMW-Freunde wieder mal der ideale Zeitpunkt, um ihre schon traditionelle "Fahrt ins Gelbe" zu veranstalten. Wie schon in den vergangenen Jahren zuvor, hatten Anneliese und Werner die Ausarbeitung und Planung dieser Tour übernommen. Als ich mit dem Motorrad am Sonntagmorgen kurz vor 09:00 Uhr zu unserem Treffpunkt kam, war mir bereits klar, dass es eine ganz besondere Tagesfahrt werden sollte.

Schon die Rahmenbedingungen für diese Tour waren im wahrsten Sinne des Wortes einfach himmlisch :

-  Sonnenschein, bei strahlend blauem Himmel;

-  Tagestemperatur 16 °C, später noch auf 21 °C ansteigend;

-  und vor allem duftend leuchtende Rapsfelder in voller Blütenpracht, geradezu erfrischend für die Sinne.

Dazu versammelten sich mehr als 30 erwartungsvolle BikerInnen mit insgesamt 28 Motorrädern (Beteiligungsrekord!) auf dem Parkplatzgelände. Werner hatte mit der "Oldesloer-Truppe" sogar seinen eigenen Fan-Club mitgebracht. Auch Ernst-Werner kam zum Treffpunkt, allerdings ohne seine BMW-Rennziege "Randy". Der Grund für sein Kommen sollte sich aber später noch von selbst klären. Der Konvoi erreichte nach der Mittagspause sogar noch die magische Grenze von 29 Motorrädern und einem Gespann. Eine in der Clubgeschichte bis jetzt einmalige Teilnehmerresonanz. Und das, obwohl am Vorabend die Rubinhochzeit von unseren Mitgliedern Marianne und Dieter N. -nachträglich- gebührend gefeiert wurde. Erschwerend kam dabei noch hinzu, dass die Party-Entertainer Jens, Werner als auch Karl-Heinz allerlei "Schweinkram" (Stichwort: Teppichhändler) von sich gaben und somit bei dem einen oder anderen die Lachmuskulatur doch stark strapazierte. Doch die verheißungsvolle Ausfahrt wollte sich niemand entgehen lassen, so dass bis zum Sonntagmorgen die tiefen Lachfalten kurzerhand wieder gerade gezogen wurden. An dieser Stelle noch einmal ein herzliches Dankeschön an die Gastgeber Marianne und Dieter N. für diesen schönen Abend im Namen aller Gäste der BMW-Freunde. Dann die Begrüßung: Werner mußte seine Stimme schon kräftig anheben, damit auch die vielen Teilnehmer in den hinteren Reihen seine Begrüßungsworte noch vernehmen konnten. Gleichzeitig kündigte Werner seiner "Gefolgschaft" eine Motorradtour in einer landschaftlich farbenprächtigen Natur an. Wer aber die Natur hautnah erleben will, muss auch IN die Natur fahren. Und genau das haben wir getan: also runter von den Hauptverkehrsstraßen und rein in die Nebenstraßen und Wirtschaftswege. Nun aber zum Start erst einmal die ganze Horde möglichst zusammen auf die Straße bekommen. Kein Problem! Denn Dieter N. gerierte sich als umsichtiger Verkehrspolizist und regelte per Handzeichen und viel Geduld den Verkehr auf der "Kieler Straße". Tja Dieter, einmal Polizist immer Polizist !! Voller Vorfreude führte die Tour zunächst über Bordesholm, Bissee nach Preetz, wo wir auch auf die einzige Ampelkreuzung während der gesamte Fahrtstrecke trafen. Ansonsten wurden ausschließlich schmale, aber dennoch asphaltierte Wege befahren. Bis auf einen uns vorausfahrenden Trecker hatten wir auf den kleinen Strässchen unserer Strecke kaum Fahrzeugverkehr. Oftmals bekam man sogar den Eindruck, dass hinter einer Kurve oder einer Bergkuppe die Fahrbahn plötzlich enden würde. Aber nichts da! Wie ein graues Band zerschnitten die verträumten Wege die Rapsfelder neben uns. Offroad-Passagen wurden bewusst ausgelassen. Das war wirklich pures Motorradvergnügen. Genau das sind die Momente, nach denen wir nach langen, kalten Wintertagen lechzen und das Motorrad fahren zum Erlebnis wird. Ein Verfahren der Fahrzeugkolonne war fast ausgeschlossen, denn am Wegesrand standen ja auch noch die blühenden Butterblumen Spalier, die uns den richtigen Weg zeigten. Eine genaue Wegbeschreibung kann ich hier im Einzelnen natürlich nicht wiedergeben. Dazu sind wir durch zu viele kleine Dörfer in einer mir unbekannten Peripherie gefahren. So machten wir denn auch unsere erste Pause nicht wie gewohnt auf einem Rastplatz, sondern der Tour angemessen in der Natur mitten auf einem Feldweg. Angesprochen von mir auf die bis dahin schon schöne Ausfahrt, antwortete Werner nur kurz: "Wir werden uns noch steigern"! Und damit sollte er tatsächlich Recht behalten. Nach der Pause ging es weiter Richtung Holsteinische Schweiz, dem größten Naturpark in Schleswig-Holstein. Während der Fahrt gab in der zunehmend hügeligen Landschaft und dem abwechselungsreichen Nebeneinander von Seen, Wiesen und Wäldern weiterhin viel zu genießen und zu entdecken. Die hügelige Landschaft ermöglichte einen weiten Blickwinkel auf die duftende und leuchtgelbe Blütenpracht, so dass man einen noch intensiveren Eindruck von der Schönheit unseres Landes bekam. Vor den Kirchen in den hübschen Dörfern zog unserer Motorrad-Konvoi offensichtlich selbst bei vielen Konfirmationsgesellschaften während unserer Vorbeifahrt die volle Aufmerksamkeit auf sich als sie uns freundlich zuwinkten. Die Etappe führte uns nun weiter zum Gut Kletkamp. In einem Zick-Zack-Kurs, überdacht von in langen Reihen stehenden Baumalleen, umkurvten wir den historischen Gutshof, der von einer kleinen Seenlandschaft eingebettet ist. Danach ging es zu unserer Mittagspause nach Karlshof, zum BMW-Vertreter Zitzewitz. Auf dem Firmengelände von Bert v. Zitzewitz roch es diesmal aber nicht wie gewohnt nach Benzin und Ölgemisch seiner Enduro-Maschinen, sondern Grillgeruch lag vielmehr in der Luft. Und siehe da, plötzlich tauchte auch Ernst-Werner wieder auf!! Zusammen mit Matthias P. hatte Ernst-Werner von Neumünster seinen Grill nach Karlshof transportiert, um uns dort zum Mittag mit leckerer Grillwurst und kalten Getränken zu verwöhnen. Danke an Ernsti und Matthias P. (die Überraschung ist Euch wirklich gelungen!) !! Ganz nebenbei konnte man auch noch an einem Crash-Kurs über die Fahrzeugtechnik des BMW-Roadsters Z3 mit M-Technik unter Leitung von Jürgen P. teilnehmen. Ohne nennenswerte Höhenunterschiede zu meistern, dafür aber mit einer Menge landschaftlicher Höhepunkte verließen wir die Holsteinische Schweiz Richtung Seedorf. Hier endete für uns die Fahrt nach gut 200 km. Zum Abschluss der Tour kehrten einige Teilnehmer zum Kaffeetrinken noch in ein Straßencafe ein, während andere die Heimfahrt antraten. Eine rundum geglückte Tour fand hier ein gemütliches Ende. Auf meiner individuellen Heimfahrt wurden dann die Rapsfelder wieder weniger und kleiner, die Baumalleen seltener, die Straßen breiter und der Verkehr wieder dichter. Für mich ein klares Zeichen, dass wir an diesem Tag etwas ganz Besonderes erlebt haben. Danke Anneliese, danke Werner für diese einmalige Ausfahrt!! Ich bin schon jetzt gespannt, was im nächsten Jahr folgen wird!

Fazit: Zur Rapsblüte mit dem Motorrad in Schleswig-Holstein unterwegs zu sein ist anders - traumhaft anders!! Eine Motorradfahrt, von der noch lange die Rede sein wird !

Text: Mathias Jahnke