Jahresabschlussfahrt in den Harz

Ein Hexenritt durch den Harz ! Hoppla, es ist ja doch schon ein bisschen verhext. Denn leider mal wieder viel zu schnell neigt sich eine schöne und interessante Motorradsaison dem Ende zu. Doch bevor die Motorräder für den wohlverdienten Winterschlaf "eingemottet" werden (Ganzjahres­fahrer mögen mir an dieser Stelle verzeihen), findet alljährlich zum Saisonabschluss für uns noch die mehrtägige gemeinsame Wochenendtour statt. Diesmal ging es vom 20.09. - 22.09.2002 nach St. Andreasberg in den Harz. Und das auch aus gutem Grund: vielseitige Landschaften, frische Bergluft, viele schöne Altstädte im Fachwerkstil zwischen den Bergwerken und natürlich Kurvenspass erwarteten uns dort. Damit lässt Norddeutschlands höchstes Gebirge mit ca. 1.150m so manches Bikerherz höher schlagen. Aber auch wegen der für uns relativ kurzen Anreise von gerade mal 350 km stand bei der diesjährigen Auswahl des Ausflugsziels die Gebirgslandschaft des Harzes ganz oben auf unserer Wunschliste. Dies zeigt schon die hohe Teilnehmerzahl der BMW-Freunde-Einfeld an dieser Wochenendtour von sage und schreibe 24 Personen und 19 Motorrädern. -Rekordverdächtig !!

Je größer allerdings die Reisegruppe ist, desto kleiner wird auch die Auswahl an einer geeigneten Unterkunft. Und das wiederum bedeutet für den Organisator noch mehr Arbeit, Zeit und Geduld bei der ohnehin mühevollen Organisation der Reise. Aber unsere "Chef-Organisatorin" Anne, die wie bereits in den vergangenen Jahren die Organisation übernahm, konnte trotz der diesmal schwierigen Umstände in gewohnter Souveränität eine Unterkunft ausfindig machen. Die Durchführung der Tagesfahrt vor Ort hatte Jens zusammen mit Beate übernommen. Die Anreise nach St. Andreasberg erfolgte individuell oder in Kleingruppen. Eine kleine Gruppe von 7 Personen traf sich bereits am Freitagmorgen um 9:00 Uhr an der Tanke von Ernst-Werner, um von dort aus angeführt von Dieter S. gemütlich auf Landstraßen in den Harz zu fahren. Die frühe Anreise hatte auch den Vorteil, dass man bei dem wechselhaften Wetter fast trockenen Weges fahren konnte. Einen ihrer Pausenstopps legte diese Gruppe u.a. in Scharnebeck ein, wo man noch das Schiffshebewerk besichtigte. Danach ging es entlang der B-4 immer weiter gen Süden in den Harz. Diejenigen, die wie wir erst am späten Vormittag bzw. noch später die Fahrt antraten, bevorzugten für die Anreise den schnellsten und direkten Weg über die Autobahn A-7, da zwischenzeitlich auch der Regen einsetzte. Am späten Nachmittag erreichten die meisten Mitreisenden den Zielort in St. Andreasberg. Nach der Zimmerverteilung trafen sich alle zum gemeinsamen Abendessen im hauseigenen Restaurant, wo man von originellen Brockenhexen umgeben war. Den Abend ließen wir dann nach einem guten Essen und wieder mal bei viel Spaß gemütlich ausklingen. Am nächsten Morgen führte Jens zusammen mit Beate bei trockenem Wetter die fast(!) komplette Gruppe von 19 Motorrädern durch den Harz. Nur Horst M. hatte sich mit seiner Maschine nicht in die Startaufstellung eingereiht, weil er noch sein Handy suchte. Als er dann endlich das Handy gefunden hatte, suchte er anschließend auch noch seinen Motorradschlüssel. Hexenspuk machte sich breit !! Die Gruppenausfahrt führte entlang an Bergseen und Bergwerken durch schöne Ortschaften und urwüchsigen Landschaften zunächst in den Süd-Ostharz. Zur Mittagspause fuhren wir hinauf zum Hexentanzplatz bei Thale, um die zahlreichen schönen Eindrücke erst einmal zu verarbeiten bzw. sich vom vielen Kurvenwirrwarr zu erholen. Zwischen Hexen und Teufel sind hier in einer wild-romantischen Landschaft viele Mythen und Sagen zu Hause. Von der Klippe des Hexentanzplatzes hatte man einen fantastischen Ausblick auf die bizarren Felsformationen des Bodetals. Weiter ging es über Stolberg, wo wir Horst aufnehmen konnten, anschließend Richtung Torfhaus, einem über 900m hoch gelegenen bekannten Motorradtreffpunkt mit einem schönen Ausblick auf den Brocken und die Hochharzlandschaft. Die fetzige Bergstrecke mit traumhaften Kurvenfolgen zwischen Hohegeiß und Braunlage garantierte zuvor aber noch einen entfesselten Kurvenspass. Nachdem wir die Aussicht vom Torfhaus reichlich genossen hatten, starteten wir unsere letzte Etappe an diesem Tag und kehrten nach gut 200km zurück nach St. Andreasberg. Gegen Abend traf man sich erneut zum gemeinsamen Abendessen im Restaurant. Susanne, die als Hausgehilfin für alles in diesem Hause zuständig war, hatte im wahrsten Sinne alle Hände voll zu tun, um all unseren vielen Wünschen nachzukommen. Erschwerend kam hinzu, dass sie die Getränke und das Essen jeweils über eine Treppe hinauf zu uns bringen musste. Irgendwann im Laufe des Abends stürzte sie dann "vollbeladen" beim Treppensteigen und konnte fortan nur noch bedingt servieren. Gab es also doch diesen Hexenspuk in diesem Hause ?? Nur gut, dass Herbert, Fred und Werner sofort und unaufgefordert den Job übernahmen und somit weiterhin für den reibungslosen Ablauf sorgten. Nun konnte auch Herbert endlich Hand anlegen, wo er doch vorher so ausgiebig die Sitzecke über "Handbetrieb" unterhalten hatte. Es wurde dann noch ein schöner und lustiger Abend. Über einzelne Details besteht allerdings Schweigepflicht. Am Sonntag hieß es dann schon wieder Abschied nehmen. Wie schon die Anreise erfolgte auch die Abreise individuell oder in Kleingruppen. In strömenden Regen "eierten" wir über Clausthal-Zellerfeld durch die letzten Kehren und Kurven nach Seesen und dann auf der BAB A-7 Richtung Neumünster. Ein schönes Wochenende verging wie im Flug. Als kleine Randnotiz bleibt noch zu erwähnen, dass der Deutsche Wetterdienst zwei Tage nach unserer Tour den ersten Schneefall auf dem Brocken vermeldete. Nur gut, dass die Brockenhexen uns vor diesem Spuk bewahrte. Es bleibt folgendes festzuhalten:

-         der Harz bietet tollen Fahrgenuss und ist immer eine Reise wert

-         über Komfort und Service unserer Bleibe kann man streiten, nicht jedoch über das Essen

-         als kleines Dankeschön überreichte uns Susanne für unsere bereitwillige Unterstützung noch zwei Weinflaschen

-         in Fred, Herbert und Werner verbergen sich unerkannte Talente

-         alle Mitreisenden sind pannen- und unfallfrei wieder Zuhause angekommen

-         es besteht Wiederholungsgefahr !

Text: Myriam & Mathias