Fahrt ins Gelbe: oben grau und unten gelb

Wenn die vielen Rapsfelder zur Blütezeit das ganze Land in ein opulentes Farbenmeer verwandeln, dann sind die BMW-Freunde-Einfeld unterwegs zu ihrer traditionellen Fahrt ins Gelbe. Bereits seit Bestehen des Motorradclubs wird diese beliebte Tagesfahrt alljährlich im Wonnemonat Mai irgendwo in Schleswig-Holstein durchgeführt und gehört ganz sicher mit zu den Saisonhöhepunkten innerhalb der Clubveranstaltungen. Weil aber nun einmal die Pflanzenwelt nach eigenen Gesetzen ihre Naturzyklen bestimmt, läßt sich die exakte Rapsblütenzeit nur schwer vorhersagen. So ist die zeitige Terminansetzung dieser Tour denn auch immer etwas risikobehaftet und mehr als sonst mit Bedacht auszuwählen. Keine andere Motorradtour ist nämlich so sehr abhängig von den Launen der Natur wie diese.

Werner und Anneliese, die Organisatoren dieser Ausfahrt, hatten aber mit der Terminansetzung ein glückliches Händchen bewiesen, so dass uns die Natur einen entsprechenden und würdigen Rahmen lieferte. Leider hatten wir jedoch Petrus nicht mit im Reisegepäck: das ganze Wochenende Dauerregen bei nur 12 Grad Höchsttemperatur, von Sonne keine Spur ! Trotzdem reihten sich 21 Motorräder und 1 Pkw(!) in den Konvoi ein. Elke, unsere GS-Bikerin, nutzte kurz vor Abfahrt eine kleine Regenpause um von Zuhause zum Treffen zu kommen und motivierte sich schließlich doch noch zur Teilnahme an der Fahrt. Von Neumünster aus ging es auf kleinen Straßen durch die Rapsfelder zunächst Richtung Bosau zum Plöner See. Der Fahrtwind pustete einem bei offenem Visier dabei immer wieder den duftenden Rapsgeruch in die Nase. Immerzu abseits der Landstraßen auf einsamen und verwinkelten Sträßchen fuhren wir gegen Mittag zum Schlemmen nach Bad Oldesloe ins Glashaus, wo ein vielseitiges als auch reichhaltiges und ebenso leckeres Büfett auf uns wartete. In gemütlicher und behaglicher Atmosphäre war somit das nass-kühle Wetter schnell vergessen. Während des Essens wurde auch wieder viel Benzin gesprochen. Nach dem Mittag zeigte sich der Wettergott dann von seiner anderen Seite: es schien zwar immer noch nicht die Sonne, aber es hörte zumindest auf zu regnen. Dennoch waren einige Fahrtteilnehmer dem Wetter gegenüber pessimistisch und traten die Rückfahrt an. Vielleicht waren sie aber auch nur von dem vielen und guten Essen müde geworden ??!! Diejenigen, die dem grauen Wetter trotzten und eisern ausharrten, sollten dafür aber auch noch später belohnt werden. Denn mit zunehmender Besserung der Witterungsverhältnisse trockneten auch schnell die Straßen ab, so dass damit auch gleich die Gangart etwas verschärft wurde. Anne, unsere "Bikerin auf vier Rädern", mußte schon alle PS in ihrem "Boliden" einsetzen, um fortan Anschluß an unsere Sightseeing-Tour zu halten. Entlang von dunklen Baumalleen, die sich teilweise zu einem Tunnel verdichteten, durchfuhren wir immer wieder idyllische Dörfer und reizvolle Landschaften mit blühenden Rapsfeldern. Selbst für Einheimische und Insider dieser Gegend waren die vielen befahrenen Wegstrecken noch unbekannt und deshalb auch für sie neu zu entdecken. Man brauchte wirklich schon eine sehr detaillierte Straßenkarte, um die streckenweise winzigen Straßen auf der eigenen Karte wieder zu finden. Mit gemächlichem Kurvenschwingen schlugen wir zum Ende der Tour dann noch einen Bogen um die Ratzeburger Seenplatte. In Ratzeburg klappten wir noch einmal unseren Seitenständer zum Eis-Essen aus, bevor wir danach wieder zurück nach Bad Oldesloe fuhren. Hier schloß sich der Kreis und endete die Tour nach knapp 200 km. Auch wenn diesmal anfangs das trübe Wetter nicht so die Farbenpracht der Natur widerspiegelte, so war es doch wieder eine sehr unterhaltsame, interessante und anspruchsvolle Rundtour.

Gerne gehen wir mit Anneliese und Werner auch das nächste Mal wieder auf Entdeckungstour.

Text: Mathias Jahnke