Altes Land

Bei vielen Bikern ist der 3. Sonntag eines jeden Monats regelmäßig im Kalender rot angestrichen und in der Motorradszene mittlerweile auch nicht mehr wegzudenken. So war es diesmal eigentlich auch bei uns geplant. Also wieder mal auf zum Sternschanzentreffen nach Hamburg. Denkste !! Denn genau an diesem Sonntag fand zeitgleich auch der Hanse-Marathon statt, so dass man die Hamburger City tunlichst meiden sollte, um dem Verkehrschaos zu entgehen. Damit änderte sich für uns aber lediglich die Wegstrecke, nicht aber das Ziel unserer Tagestour, denn das Ziel stand schon lange fest: die Kirsch- und Apfelblüte im Alten Land. Mit den ersten warmen Sonnenstrahlen juckt es den meisten wohl von uns in den Fingern, endlich mal wieder ihre vom winterlichen Staub befreite Maschine gemeinsam mit anderen Club-Mitgliedern ausführen zu können.

Als Tourenführer hatte Peter erneut sein neues GPS-Navigationssystem (frei übersetzt: gemeinsam auf Peters Spuren) programmiert und führte den Konvoi mit insgesamt 19 (später 20!) Maschinen gekonnt und zielsicher zunächst durch den Naturpark Aukrug nach Glückstadt, um dort mit der Fähre nach Wischhafen überzusetzen. Hier an der Elbe befindet sich eines der größten Obstanbaugebiete Europas. Vorbei an Altländer Bauernhäusern, Obsthöfen und Cafés ging es quer durch die unzähligen, blühenden Obstplantagen. Die gepflegten Höfe in den kleinen Dörfern werden geschmückt von reichverzierten, handgeschnitzten Toren, die einst wichtigstes Statussymbol der Obstbauern waren. Hinter Stade fuhren wir dann direkt neben dem Elbdeich zum Fähranleger Lühe, ein Parkplatztreff für alle Motorradfreaks. Hatte man sich erst einmal einen begehrten Liegeplatz auf dem Elbdeich ergattert, hatte man einen ebenso guten Ausblick auf die Elbe wie auf das Gedränge der zahlreichen Maschinen auf dem Parkplatzgelände. Danach ging es über ein Teilstück der B-73 Richtung Rosengarten nach Bendestorf zum Filmmuseum. Zuvor mußte jedoch noch erst eine "Off-Road-Passage" bewältigt werden ("Wo war eigentlich Hartwig geblieben??"), um das kleine Dorf zu erreichen. Exponate bekannter Schauspieler, Drehbücher sowie altes Studio-Equipment wurden u.a. im Filmmuseum ausgestellt. Das kleine Bauerndorf Bendestorf war in der Nachkriegszeit für einige junge SchauspielerInnen der Beginn einer großen, internationalen Filmkarriere und gilt heute noch als "Little-Hollywood". Während einige von Bendestorf aus den kürzesten Heimweg über die BAB-A7 nach Neumünster antraten, bevorzugte der Großteil der Gruppe bei schönstem Wetter einen Umweg entlang der Elbe zum Zollenspieker und dann im weiteren Verlauf durch den Sachsenwald nach Hause. Zuvor noch der obligatorische Halt am Zollenspieker. Immer wieder ein "Showdown" der besonderen Art: PS-Monster, chromverzierte Showbikes, Auspuffanlagen jenseits der zulässigen Dezibel-Grenze, Eigenbauten mit technischen Raffinessen und, und, und.... Dazu mittendrin der Fährbetrieb, der im Übrigen auch noch völlig reibungslos abläuft.

Das Fazit nach ca. 280 km: Das Schöne liegt manchmal so nah vor der Haustür. Man muß nur hinfahren. Ich freue mich auf weitere Touren mit GPS.

Text: Mathias Jahnke